23 Matcha-Tees, ein Labor: Was wir auf dem Markt gefunden haben

Dasselbe Wort auf dem Etikett — ein sehr unterschiedliches Pulver in der Packung. Im September 2026 haben wir auf dem tschechischen Markt als ganz normale Kunden 21 Matcha-Marken gekauft und sie zusammen mit zwei unserer eigenen Tees an ein akkreditiertes Labor geschickt. Dasselbe Labor, dieselben Methoden, dieselben Tests für jede Probe. Unter den 21 Marktmarken fanden wir einen 32-fachen Unterschied im Preis pro Gramm, einen 14-fachen Unterschied beim Blei und einen 25-fachen beim Chrom.

Der Test in fünf Punkten

  • 5 von 21 Produkten geben China oder Südkorea an — oder widersprechen sich bei der Herkunft. Alle fünf werden als Matcha verkauft.
  • Zwei Tees mit Bio-Logo enthielten zwei Insektizide in der 61- bis 130-fachen Höhe des Werts, den das Labor bei Bio-Produkten anlegt.
  • Blei unterschied sich um das 14-Fache, Chrom um das 25-Fache. Am meisten Blei hatten zwei Produkte mit Herkunftsangabe China.
  • Bei der Probe mit dem meisten Aluminium ergeben 2 g Matcha pro Tag fast die Hälfte der von der EFSA festgelegten tolerierbaren wöchentlichen Aufnahme — allein aus Matcha.
  • Die Farbe, in einer Minute gemessen, sagte die Laborergebnisse überraschend gut voraus.

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Der ganze Test in knapp 14 Minuten, mit animierten Diagrammen (auf Englisch). Auf YouTube ansehen →

Zuerst in eigener Sache

Wir sind Kyosun, ein Importeur von japanischem Matcha aus Tschechien. Deshalb gleich zu Beginn: Wir haben diesen Test in Auftrag gegeben, ihn bezahlt und zwei unserer eigenen Tees aufgenommen — Kyosun A+++ und Kyosun A+. Sie wurden genauso gekauft, verschickt und gemessen wie alle anderen Proben, in denselben Laboraufträgen und mit denselben Methoden. In den Diagrammen sind sie schraffiert, damit Sie sie jederzeit beiseitelassen und nur den Markt betrachten können.

Die übrigen 21 Marken bleiben anonym und sind nach ihrem Gesamtergebnis als Sample 1 bis 21 nummeriert. Es geht nicht darum, jemanden zu nennen. Es geht darum, wie der Markt wirklich aussieht — und worauf Sie achten sollten, wenn Sie Matcha für Ihr Café, Ihre Produktion oder Ihr Regal einkaufen.

Warum das wichtig ist

Erstens der Name. Das tschechische Lebensmittelrecht (Verordnung Nr. 187/2023 Slg., § 4 Abs. 3) besagt, dass nur grüner Tee aus den getrockneten jüngsten Blättern echten Tees aus Japan, zu feinem Pulver gemahlen, als Matcha bezeichnet werden darf.

Zweitens das Angebot. Japan produzierte 2025 etwa 6.300 Tonnen Tencha, das Blatt, aus dem Matcha gemahlen wird. Chinesische Staatsmedien berichten von über 12.000 Tonnen Matcha pro Jahr allein aus China — etwa 70 % der Weltproduktion. Die Nachfrage ist Japan über den Kopf gewachsen, und nicht alles, was als Matcha verkauft wird, stammt von dort.

Beschattete Teefelder in Japan — Tencha für Matcha wächst vor der Ernte im Schatten

Drittens, und am wichtigsten: Matcha ist kein aufgegossener Tee. Bei Blatttee trinkt man den Aufguss und wirft die Blätter weg. Matcha schlägt man mit dem ganzen Blatt in Wasser auf und trinkt alles. Was im Blatt steckt — Gutes wie Schlechtes — landet in der Tasse und damit bei Ihrem Kunden.

Aufgegossener Blatttee neben aufgeschlagenem Matcha — bei Matcha wird das ganze Blatt getrunken

Wie wir getestet haben

Im September 2026 kauften wir auf dem tschechischen Markt als normale Kunden 21 Matcha-Marken — in großen Onlineshops, Apotheken und Fachgeschäften; vom billigsten Pulver bis zu Premiummarken, bio und konventionell, meist im Beutel, einige in der Dose. Das Labor brauchte 300 g pro Probe, daher kauften wir bei kleinen Packungen mehrere Packungen desselben Produkts, immer aus einer Charge. Jede Probe ist also eine Charge.

Vor dem Versand haben wir jede Packung fotografiert und die Webseite des Verkäufers gespeichert. Dann gingen die Proben an ALS Czech Republic, ein akkreditiertes Labor; das Pestizid-Screening übernahm ALS Laboratories in Großbritannien.

  • Gemessen: Blei, Cadmium, Chrom und Aluminium; Gesamtkeimzahl, E. coli und Salmonellen; Koffein; ein Screening auf Pestizidrückstände. Die Farbe (a*) haben wir selbst mit einem Farbmessgerät gemessen.
  • Nicht gemessen: Arsen, Quecksilber, Schimmelpilze, Mykotoxine, Perchlorat, Catechine — dazu sagen die Ergebnisse also nichts.
  • Kosten: etwa 1.600 € für die Proben und etwa 6.350 € für das Labor.

Matcha-Proben im Labor

Herkunft: das stärkste Signal

Fünf der 21 Produkte geben statt Japan China oder Südkorea an — oder widersprechen sich: Japan auf der Packung, China auf der Webseite des Verkäufers. Alle fünf werden als Matcha verkauft.

Der Median-Bleigehalt der 16 Produkte mit Herkunftsangabe Japan lag bei 0,093 mg/kg, bei den übrigen fünf bei 0,617 mg/kg — mehr als sechsmal so hoch. Chrom war doppelt so hoch, Aluminium fast um die Hälfte höher. Vier der fünf fielen in unsere niedrigste Farbstufe, von den 16 japanischen drei. Und alle fünf gehörten zu den acht billigsten Produkten im Test.

Diagramm: Blei, Chrom, Aluminium und Farbe — 16 Produkte mit Japan gegenüber 5 anderen

Das sind kleine Gruppen, also eine Beobachtung und kein statistischer Beweis. Der Unterschied zeigt sich aber bei jedem Indikator, den wir betrachtet haben.

Pestizide: Ein Bio-Logo ist kein Beweis

Hier sind die Nachrichten überwiegend gut: 19 der 23 Proben hatten überhaupt keine nachweisbaren Rückstände. Drei der übrigen vier hängen jedoch mit Bio-Angaben zusammen.

Zwei Produkte tragen das Bio-Logo auf der Packung. Der ökologische Landbau erlaubt solche synthetischen Pestizide nicht, daher hat das Labor beide an dem Wert gemessen, den es bei Bio-Produkten anlegt. Beide enthielten dieselben zwei Insektizide, Bifenthrin und Chlorfenapyr: Sample 18 in 68- und 130-facher Höhe dieses Werts, Sample 15 in 61- und 130-facher. Selbst wenn man die Messunsicherheit des Labors von 50 % zu ihren Gunsten anrechnet, liegen sie noch mindestens 30-fach darüber.

Das dritte Produkt hat keine Bio-Zertifizierung auf der Packung, aber seine Webseite beschreibt den Tee als auf kleinen Bio-Teefeldern angebaut. Das Labor fand sieben verschiedene Rückstände; einer davon, Chlorpyrifos, lag 2,5-fach über dem EU-Rückstandshöchstgehalt für Tee. Chlorpyrifos ist in der EU seit 2020 nicht mehr zugelassen. Das vierte Produkt ohne jede Bio-Angabe hatte zwei Rückstände, beide weit unter den Grenzwerten für Tee.

Wir sind keine Behörde und ziehen keine rechtlichen Schlüsse. Das Muster ist trotzdem klar: Ein Bio-Logo allein ist kein Beweis. Ein Laborbericht schon.

Schwermetalle und Aluminium

Eine Teepflanze nimmt Metalle aus dem Boden auf, in dem sie wächst — und aus verschmutzter Luft und Wasser. Bei aufgegossenem Tee gelangt nur ein Teil davon in die Tasse; bei Matcha schluckt man das ganze Blatt. Das EU-Recht legt für Blei, Cadmium, Chrom und Aluminium in Tee keine Grenzwerte fest. Deshalb vergleichen wir die Proben untereinander und verwenden für Blei unseren eigenen Richtwert von 0,1 mg/kg — kein gesetzlicher Grenzwert, nur eine Orientierungslinie.

Diagramm: Blei in allen 23 Matcha-Proben im Vergleich zu unserem Richtwert von 0,1 mg/kg

Blei ist am wichtigsten: Es reichert sich im Körper an, und nach Angaben der EFSA gibt es keine bekannte sichere Aufnahmemenge. 12 der 21 Marktmarken lagen über unserem Richtwert. Die höchsten Werte, 0,84 mg/kg — mehr als das Achtfache des Richtwerts —, hatten zwei Produkte, deren Packung oder Webseite China angibt. In fünf Proben fand das Labor kein Blei oberhalb seiner Nachweisgrenze.

Cadmium reichert sich ebenfalls im Körper an, vor allem in den Nieren. Hier ist das Bild besser: 16 Proben lagen unter der Bestimmungsgrenze, den höchsten Wert hatte wieder ein Produkt mit Herkunftsangabe China. Chrom reichte von 0,10 bis 2,45 mg/kg — ein 25-facher Unterschied.

Aluminium ist ein Sonderfall. Die Teepflanze reichert es von Natur aus an, daher enthält jeder Matcha viel davon — die Spanne war dennoch 4,5-fach, von 550 bis 2.450 mg/kg. Ein Erwachsener mit 70 kg, der täglich 2 g Matcha trinkt (einen Teelöffel, wie die meisten Packungen empfehlen), nimmt pro Woche mit der niedrigsten Probe 11 % der von der EFSA festgelegten tolerierbaren wöchentlichen Aufnahme auf, mit der mittleren 28 % und mit der höchsten 49 %. Das ist allein aus Matcha: Laut EFSA liefert die normale Ernährung eines Erwachsenen bereits etwa 20 bis 150 % dieser Menge. Mit der höchsten Probe würde also jeder, dem die Ernährung mehr als die Hälfte davon liefert, den Wert überschreiten. Das ist keine Risikobewertung, nur Rechnen — es zeigt aber, warum es bei Matcha darauf ankommt, was im Pulver steckt.

Farbe und „Ceremonial“

Je grüner das Pulver, desto jünger und besser beschattet das Blatt. Wir haben die Farbe auf der a*-Skala gemessen und die Proben in eigene Stufen eingeteilt, die festgelegt wurden, bevor irgendein Laborergebnis vorlag. Sieben der 21 Marktmarken landeten in unserer niedrigsten Stufe, die wir als unzureichende Qualität bezeichnen. Keine Marktmarke erreichte die höchste Stufe; Kyosun A+++ schon.

Elf Produkte präsentieren sich als „ceremonial“ oder Premium. Vier davon erreichten keine zeremonielle Farbe, und zwei dieser vier fielen in die niedrigste Stufe. „Ceremonial“ ist ein Marketingbegriff; kein Gesetz definiert ihn.

Zwei Matcha-Pulver nebeneinander — ein blasses, olivfarbenes und ein leuchtend grünes

Was uns überrascht hat: Die Farbe, in einer Minute gemessen, sagte die Laborergebnisse gut voraus. Die sieben grünsten Marktproben hatten einen Median-Bleigehalt von 0,104 mg/kg, die sieben blassesten 0,382 mg/kg. Die grüneren hatten zudem mehr Koffein und weniger Aluminium. Keine der grünsten gab eine nichtjapanische Herkunft an; von den blassesten vier.

Hilft der Preis?

Ja, aber nicht verlässlich. Das durchschnittliche Ergebnis wird mit dem Preis besser, innerhalb jeder Preisklasse schwanken die Ergebnisse aber stark. Ein günstiger japanischer Matcha für etwa 20 € pro 100 g landete insgesamt auf Platz vier; einige teurere enthielten Pestizidrückstände. Der Vollständigkeit halber: Kyosun A+++ war der teuerste Tee im gesamten Test, Kyosun A+ kostete etwa ein Drittel davon.

Der Preis allein ist also keine Garantie. Doch am billigsten Ende des Marktes konzentrierten sich die nichtjapanischen Herkünfte, die blassen Farben und die höchsten Metallwerte.

Gesamtwertung — mit unserer Gewichtung

Zum Schluss haben wir alles zu einer Gesamtwertung zusammengefasst. Die Gewichtung ist unsere, und wir zeigen sie offen: Herkunft und Pestizide zählen am meisten, dann Metalle, Mikrobiologie und Farbe, dann Koffein und am wenigsten der Preis. Kyosun A+++ wurde Erster, Kyosun A+ Dritter, dazwischen eine Marktmarke, Sample 1. Weil die Gewichtung unsere Wahl ist, haben wir die wichtigsten Ergebnisse oben auch einzeln gezeigt. Am anderen Ende landeten alle fünf Produkte mit nichtjapanischer oder widersprüchlicher Herkunft in der unteren Hälfte.

Was dieser Test nicht sagen kann

  • Jede Marke wurde einmal getestet — eine Charge, gekauft im September 2026. Das zeigt, was wir gekauft haben, nicht die gesamte Produktion einer Marke.
  • Wir haben nicht alles getestet: Arsen, Quecksilber und Mykotoxine zum Beispiel wurden nicht gemessen.
  • Die Farbe haben wir selbst gemessen; Farbstufen, Blei-Richtwert und Gewichtung der Wertung sind unsere Wahl.
  • Dies ist keine amtliche Kontrolle. Es ist der ehrliche Blick eines Importeurs auf den Markt.

Was Sie Ihren Lieferanten fragen sollten

Wenn Sie Matcha für ein Café, eine Produktion oder ein Geschäft einkaufen, ergeben sich aus den Ergebnissen diese Fragen:

  • Japanische Herkunft, klar angegeben — und gleich auf der Packung, auf der Webseite und in der Spezifikation.
  • Verlassen Sie sich nicht auf „ceremonial“ oder „premium“. Achten Sie auf die Farbe und fordern Sie ein Muster an.
  • Ein Bio-Logo ist kein Beweis. Verlangen Sie Laborberichte zu Metallen, Pestiziden und Mikrobiologie.
  • Prüfen Sie die Berichte. Sie sollten von einem akkreditierten Labor stammen und die beschriebene Charge nennen. Ein Bericht, eine Charge. Zeigt ein Lieferant jahrelang denselben Bericht, hat er entweder die ganze Zeit eine einzige Charge verkauft — oder der Bericht wird für Chargen verwendet, die nie getestet wurden.

Unsere sind öffentlich: Jeder Labortest unserer Qualitäten seit 2014 steht auf quality.kyosun.com. Wenn Sie den Unterschied selbst sehen möchten, können Sie 50-g-Muster unserer Qualitäten direkt in der Kategorie Samples kaufen. Für Großhandelsangebote schreiben Sie an sales@kyosun.com.

Matcha wird in einer Schale aufgeschlagen

Labor: ALS Czech Republic, s.r.o. (akkreditiert); Pestizid-Screening ALS Laboratories (UK) Ltd. Proben gekauft im September 2026, Ergebnisse Oktober 2026. Farbe (a*) von Kyosun mit einem Farbmessgerät gemessen (nicht akkreditiert). Eine Probe pro Marke, jeweils aus einer Charge. Preise umgerechnet mit 24 CZK = 1 EUR. Aluminiumexposition: EFSA Journal 2008 (754). Dies ist keine amtliche Kontrolle.